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Hallo Lena, du bist seit August 2015 bei uns und bist vorher als 1. Offizier auf Containerschiffen gefahren. Wie bist Du zur Seefahrt gekommen?
Ich hatte eigentlich schon immer durch diverse Hobbys Bezug zum Wasser und habe mit meiner Familie so ziemlich alle Urlaube auf einem Segelboot verbracht.

Nach dem Abitur kam dann die Idee, erstmal zur See zu fahren „was von der Welt sehen“ und dann zu entscheiden, was ich später machen möchte.
Daraus wurden dann 11 Jahre Seefahrt und gesehen habe ich auch einiges.

Wie war es damals, zum ersten Mal alleine in die weite Welt aufzubrechen?
Nach dem Unterschreiben des Vertrags, ging es erst mal zum Sicherheits-Grundlehrgang nach Hamburg.
Dort konnte ich mich schon mal mit dem Menschenschlag vertraut machen, mit dem ich es später zu tun bekam. Einige spätere Kommilitonen von der Hochschule waren auch dabei.
Dass schon einige Fachbegriffe gelernt wurden, war sicherlich auch hilfreich.
Als es dann richtig los ging, hatte ich das Glück, nicht alleine nach Hong Kong fliegen zu müssen, sondern hatte Gesellschaft vom leitenden Ingenieur. Den habe ich die Reise über mit Fragen gelöchert und schnell gemerkt, dass ich keine Ahnung habe von dem, was mich erwartet.
Von Hong Kong ging es dann direkt nach Melbourne und auf dem Weg hatte ich Zeit, mich etwas vertraut zu machen mit Schiff und Arbeit.

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Und wie läuft das mit der Kommunikation ab?
Es sollten natürlich alle Englisch sprechen können. Wobei ich mit dem philippinischen Akzent am Anfang ziemliche Schwierigkeiten hatte. Da bin ich aber sicher nicht alleine.

Wie sind den Deine Erfahrungen als Frau an Bord? Hattest Du da mit Problemen zu kämpfen?
Durchsetzen muss sich sicherlich jeder, egal ob Mann oder Frau.
Grundsätzlich kann ich sagen, je mehr Streifen auf der Schulter, desto weniger Probleme hatte ich, mir Respekt zu verschaffen.

Manchmal hilft auch Pragmatismus. Wenn in arabischen Länder der Lotse nicht auf den Funkspruch reagiert, hilft es wenig, ihn immer wieder zu rufen. Besser man spricht direkt mit deutlich tieferer Stimme. Das wirkt Wunder!

Warum hast Du dich entschieden, eine Arbeit an Land anzunehmen?

Ich war immer 4 Monate am Stück unterwegs. Eine Verkürzung der Fahrtzeit war in meiner Reederei nicht möglich. Wenn Du so viel unterwegs bist merkst Du, wie die sozialen Kontakte leiden.
Auch wollte Ich zu Familienfesten mal wieder zu Hause sein, in der Vorweihnachtszeit einen Glühwein trinken, …
Und da auch keine Aussicht auf Beförderung zum Kapitän bestand, stand die Entscheidung irgendwann fest.

Wie bist du auf die Idee gekommen, Surveyor zu werden?

Ich wollte eine Arbeit, bei der ich weiterhin unterwegs bin, wenn auch nicht mehr so lange.
Auf Schiffe möchte Ich dabei auch nicht verzichten.

Und was sagst du nach den ersten Monaten zum neuen Job?

Es ist sehr abwechslungsreich. Aber entsprechend muss ich mich natürlich auch in viele Bereiche komplett neu einarbeiten.
Auch ist es interessant, mal einen neuen Blickwinkel zu bekommen. An Bord interessiert es zum Beispiel niemanden, ob ein Container ein kleines Loch hat oder nicht. Da wird ein Standardreport geschrieben und fertig. Jetzt sehe ich, welche Firmen und Stellen sich damit beschäftigen, sollte die Ware auf Grund dieses kleinen Lochs beschädigt sein.
Zusätzlich ist es auch eine neue, positive Erfahrung in einem Team zu arbeiten, dass sich nicht alle paar Wochen durch einen Crewwechsel personell verändert.

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Über uns

Alberts & Fabel GmbH & Co. KG | Ingenieure • Sachverständige • Havariekommissare • Marine & Cargo Surveyor Hamburg, Bremen, Brake, Bremerhaven, Wilhelmshaven, Ruhrgebiet, Rostock, Antwerpen, Rotterdam und Amsterdam

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